Stoiker und Epikureer, so zeigt Hadot, lehrten beide die Konzentration auf die Gegenwart. Die Vergangenheit ist vorbei, die Zukunft noch nicht da. Nur im Jetzt können wir handeln und nur im Jetzt können wir das Dasein geniessen. Für die Stoiker ist der Augenblick der Ort der Pflicht und der Zustimmung zu dem, was geschieht. Für die Epikureer ist er der Ort der einfachen Freude, zu existieren. Marc Aurel rät, jede Handlung so zu tun, als wäre sie die letzte des Lebens. Gemeint ist das nicht düster, sondern als Einladung, ganz da zu sein.
Übung für heute: Wähle eine alltägliche Tätigkeit, etwa Kaffee zubereiten, jemandem zuhören oder einen Weg gehen. Vollziehe sie so, als wäre es das letzte Mal: ganz, ohne Hast, ohne Nebengedanken. Achte darauf, was sich verändert, wenn der Augenblick genügt.
Nach Pierre Hadot, «Vergiss nicht zu leben. Goethe und die Tradition der geistigen Übungen»; Marc Aurel, Selbstbetrachtungen II,5