Montag, 19. Oktober 2026

Philosophie als Lebensform

Für Pierre Hadot (1922–2010) war Philosophie in der Antike keine Theorie, die man lernt, sondern eine Art zu leben, die man einübt. Wer sich den Stoikern, Epikureern oder Platonikern anschloss, wählte eine Lebensform. Die Lehrsätze dienten dazu, den Blick auf die Welt zu verwandeln und das eigene Verhalten zu ändern. Die Mittel dazu nannte Hadot «geistige Übungen»: Aufmerksamkeit, Meditation, Selbstprüfung, das Einüben von Gelassenheit. Sie betreffen nicht nur das Denken, sondern den ganzen Menschen.

Daraus folgt eine unbequeme Frage: Was von dem, was ich weiss und gelesen habe, wirkt tatsächlich in meinem Alltag?

Übung für heute: Wähle einen einzigen Satz, der dir wichtig ist, zum Beispiel Epiktets «Nicht die Dinge selbst beunruhigen uns, sondern unsere Urteile über die Dinge». Schreib ihn am Morgen auf. Ruf ihn dir dreimal am Tag bewusst in Erinnerung, besonders in einer schwierigen Situation. Schau am Abend: Wo hat er etwas verändert?

Nach Pierre Hadot, «Philosophie als Lebensform. Geistige Übungen in der Antike»