Donnerstag, 22. Oktober 2026

Herzliche Einladung zum nächsten „Sinn-Salon“ des Netzwerkeins am Freitag, 6. November, 18.30h


Wir zeigen den Film 


„Awakening Mind - Erwachender Geist“ (Teil 1)


Die preisgekrönte Awakening Mind-Trilogie von Daniel Schmidt, Bill Free und Leif Heinbold führt tief in das Herz der spirituellen Erkenntnis. Verschiedene spirituelle Lehrer*innen sprechen darin über die Themen Bewusstsein/„Erwachen“/Lebenssinn. 


Detailprogramm:

Beginn 18.30h: Ankommen/Begrüssung

18.45h: Film 1. Teil

19.20h: 1. Austauschrunde zu den Filminhalten

19.50h: Film 2. Teil

20.20h: 2. Austauschrunde

21.00h: Gemeinsamer Abschluss


Ort: Sela-Schule, Gartenstadtstr. 7, 3098 Köniz


Keine Anmeldung erforderlich


Wir freuen uns, wenn Du am 6.11. mit dabei bist! Kerngruppe Netzwerkeins

Mittwoch, 21. Oktober 2026

Nur dieser Augenblick

Stoiker und Epikureer, so zeigt Hadot, lehrten beide die Konzentration auf die Gegenwart. Die Vergangenheit ist vorbei, die Zukunft noch nicht da. Nur im Jetzt können wir handeln und nur im Jetzt können wir das Dasein geniessen. Für die Stoiker ist der Augenblick der Ort der Pflicht und der Zustimmung zu dem, was geschieht. Für die Epikureer ist er der Ort der einfachen Freude, zu existieren. Marc Aurel rät, jede Handlung so zu tun, als wäre sie die letzte des Lebens. Gemeint ist das nicht düster, sondern als Einladung, ganz da zu sein.

Übung für heute: Wähle eine alltägliche Tätigkeit, etwa Kaffee zubereiten, jemandem zuhören oder einen Weg gehen. Vollziehe sie so, als wäre es das letzte Mal: ganz, ohne Hast, ohne Nebengedanken. Achte darauf, was sich verändert, wenn der Augenblick genügt.

Nach Pierre Hadot, «Vergiss nicht zu leben. Goethe und die Tradition der geistigen Übungen»; Marc Aurel, Selbstbetrachtungen II,5


Dienstag, 20. Oktober 2026

Aufmerksamkeit

Die Grundhaltung des stoischen Philosophen ist nach Hadot die Aufmerksamkeit, griechisch prosoché. Gemeint ist eine beständige Wachheit für sich selbst und für den gegenwärtigen Augenblick. Wer aufmerksam ist, bemerkt ein Urteil, bevor es zur Reaktion wird. Er lebt nicht im Automatismus, sondern in Geistesgegenwart. Diese Wachheit ist keine Anspannung. Sie ist eine gesammelte Präsenz, in der jeder Moment neu beginnen kann.

Übung für heute: Lege drei feste Momente fest, etwa vor dem Essen, vor dem Öffnen der Mails und beim Heimkommen. Halte jeweils kurz an und frage dich:

  • Was tue ich gerade?
  • Was urteile ich gerade?
  • Passt das zu dem, was mir wirklich wichtig ist?

Dann geh bewusst weiter.

Nach Pierre Hadot, «Philosophie als Lebensform» und «Wege zur Weisheit»


Montag, 19. Oktober 2026

Philosophie als Lebensform

Für Pierre Hadot (1922–2010) war Philosophie in der Antike keine Theorie, die man lernt, sondern eine Art zu leben, die man einübt. Wer sich den Stoikern, Epikureern oder Platonikern anschloss, wählte eine Lebensform. Die Lehrsätze dienten dazu, den Blick auf die Welt zu verwandeln und das eigene Verhalten zu ändern. Die Mittel dazu nannte Hadot «geistige Übungen»: Aufmerksamkeit, Meditation, Selbstprüfung, das Einüben von Gelassenheit. Sie betreffen nicht nur das Denken, sondern den ganzen Menschen.

Daraus folgt eine unbequeme Frage: Was von dem, was ich weiss und gelesen habe, wirkt tatsächlich in meinem Alltag?

Übung für heute: Wähle einen einzigen Satz, der dir wichtig ist, zum Beispiel Epiktets «Nicht die Dinge selbst beunruhigen uns, sondern unsere Urteile über die Dinge». Schreib ihn am Morgen auf. Ruf ihn dir dreimal am Tag bewusst in Erinnerung, besonders in einer schwierigen Situation. Schau am Abend: Wo hat er etwas verändert?

Nach Pierre Hadot, «Philosophie als Lebensform. Geistige Übungen in der Antike»


Samstag, 17. Oktober 2026

Der Geliebte

Dann kommt deine Zeit wenn der Geliebte einen nicht mehr verlässt; wo auch immer man hingeht, er immer ist an deiner Seite und seine Gegenwart des ständig spürbar…. Bäume, Kräfte, das Wasser und das Land, alles ist der Geliebte, und nur Er. Śri Anandamaî

Freitag, 16. Oktober 2026

Freier Wille

Es gibt einen freien Willen und die Möglichkeit, sich zu verändern. Freier Wille ist Achtsamkeit; durch die Achtsamkeit wissen wir, was wir denken, sagen und tun. Wenn es uns gefällt, fahren wir so fort. Wenn es uns nicht gefällt, sind wir frei, anders zu handeln. Tich Nath Hanh, Zen und die Kunst, die Welt zu retten, S.51, Heyne Verlag

Donnerstag, 15. Oktober 2026

Verletzlichkeit

Aber diejenigen, die sich ihrer eigenen Verletzlichkeit nicht bewusst sind, die sich als übermütig, gewappnet und unverwundbar präsentieren, opfern die Essenz dessen, was sie sowohl menschlich wie auch schön macht. Die Verletzlichkeit ist es, die uns ermöglicht, miteinander in Kontakt zu treten und im anderen das gleiche Unbehagen zu erkennen, dass er mit sich selbst und seinem Platz in der Welt hat. Verletzlichkeit ist der Motor des Mitgefühls und kann eine Superkraft sein, eine besondere Vision, die es uns ermöglicht, die zitternde und verletzte innere Welt zu sehen, welche die meisten von uns besitzen. Nick Cave

Mittwoch, 14. Oktober 2026

Nirvana und Samsara

Wenn du volle Aufmerksamkeit schenkst, ist alles Nirvana, aber wenn du deine Aufmerksamkeit auch nur für eine Sekunde verlierst, beginnt überall wieder Samsara. Christopher M. Bache

Dienstag, 13. Oktober 2026

Bedingungslos

Wenn ich bereit bin, Einsamkeit zu erleben,

Entdecke ich Verbindung überall.

Wenn ich mich der Angst zuwende,

Treffe ich den Krieger, der in mir lebt.

Wenn ich mich meinem Verlust öffne,

Spüre ich die Umarmung des Universums.

Wenn ich mich der Leere hingebe,

Finde ich endlose Fülle.

Jeder Zustand, von dem ich fliehe,

verfolgt mich.

Jeder Zustand, den ich willkommen heisse,

Verwandelt mich.

Und wird selbst verwandelt,

In seine strahlende edle Essenz

 

Jennifer Welwood

Montag, 12. Oktober 2026

Erforschung von Bewuwusstsein

Bevor du loslegst, gehört die Reise dir. Nachdem du losgelegt hast, gehörst du der Reise. Malidoma Somé, The Healing System of Africa.

Sonntag, 11. Oktober 2026

Alles und Nichts sein

Weisheit sagt mir, dass ich nichts bin. Liebe sagt mir, dass ich alles bin. Zwischen den beiden fließt mein Leben.

Rumi



Samstag, 10. Oktober 2026

7. Reibung als Schöpfungskraft

Wenn wir aufhören, den Widerstand, d.h. die unangenehme Spannung als Feind zu betrachten und diese Reibung innerlich bewusst energetisch geschehen lassen (es braucht ca. 90 Sekunden bei alltäglichen Situationen) fliesst die blockierte Energie wieder. Das ist der Moment, in dem wir die Reibung nicht mehr nur aushalten, sondern sie als befreite Schöpfungskraft erkennen. 

Madeleine  

PS: 
Falls du mehr über den neuro-biologischen Prozess dazu erfahren möchtest: 

Kurz und bündig:

  • Wenn ein innerer Sturm aufzieht, will das limbische System die Spannung sofort loswerden – durch Angreifen, Flüchten oder Betäuben (Aktionismus).
  • Wenn der Neokortex überbordet, versucht er den Sturm wegzuanalysieren oder starr zu kontrollieren (Unterdrückung).
  • Dieser Ansatz nutzt den Neokortex stattdessen wie einen Blitzableiter: Er analysiert nicht, sondern er hält den Raum. Er ist der unbewegliche spürende Zeuge, der dem Sturm erlaubt, in voller Stärke durch den Körper zu fegen, ohne dass das System kollabiert. In ca. 90 Sekunden legt sich der Sturm der inneren Spannenden/Reibung. 
Etwas ausführlicher /  KI unterstützt: 
Das Aushalten von Spannung ist für den Neokortex – und insbesondere für dessen vordersten Teil, den Präfrontalen Kortex – aus einem einfachen evolutionären und biologischen Grund absolut überlebenswichtig: Er benötigt diese Reibung, um überhaupt die neuronale Führung im Gehirn zu übernehmen. 
Das Gehirn arbeitet nach einem dualen System, bei dem der Neokortex permanent in einem energetischen Wettkampf mit den älteren, tiefer liegenden Hirnarealen steht. 
Hier ist die neurobiologische Erklärung, warum die "Spannung" der Treibstoff für den Neokortex ist:

1. Das evolutionäre Vetorecht

Das emotionale Zentrum des Gehirns (Limbisches System mit der Amygdala und dem Nucleus accumbens) reagiert blitzschnell und verlangt nach sofortiger Befriedigung („Süsses essen!“, „Ablenkung suchen!“, „Flüchten!“). Dieser evolutionär alte Schaltkreis kostet das Gehirn kaum Energie.
Der Präfrontale Kortex ist das Kontrollzentrum. Seine Aufgabe ist es, Impulse zu unterdrücken, langfristig zu planen und logisch abzuwägen. 
  • Warum es Spannung braucht: Die „Spannung“ oder Frustration, die wir spüren, ist das physische Signal, dass der Präfrontale Kortex gerade versucht, das Limbische System zu überstimmen.
  • Geben wir dem Impuls sofort nach (z. B. Griff zum Handy), gewinnt das Limbische System. Erst wenn wir die Spannung aushalten, feuern die inhibitorischen (hemmenden) Nervenbahnen des Neokortex lang genug, um die unbewussten Impulse dauerhaft zu kontrollieren. 

2. Das Gesetz der synaptischen Plastizität („Use it or lose it“)

Das Gehirn ist extrem ökonomisch gebaut. Nervenbahnen, die nicht intensiv genutzt werden, baut es radikal ab (synaptisches Pruning).
  • Der "Easy-Mode": Wenn wir durch die digitale Welt wandern, in der jeder Wunsch sofort erfüllt wird, wird der Neokortex umgangen. Das Gehirn läuft auf dem primitiven Reiz-Reaktions-Automatismus.
  • Der "Kreativ-Mode": Wenn wir eine Frage nicht sofort googeln oder ein unangenehmes Gefühl der Langeweile aushalten, entsteht eine kognitive Lücke. Der Neokortex wird gezwungen, selbst aktiv zu werden. Er muss im Gedächtnis nach Informationen suchen, logische Brücken bauen und synaptische Verbindungen knüpfen. Nur durch diese Anstrengung – die sich als Frustration oder Spannung anfühlt – wachsen und verdichten sich die grauen Zellen im Neokortex, das geschieht vermutlich auch bei der gegenstandslosen Meditation. 

3. Die Kalibrierung des Dopamin-Systems

Dopamin ist das Molekül der Antizipation und Motivation, nicht des reinen Vergnügens. Es schüttet sich aus, wenn wir eine Belohnung erwarten. 
  • Erhält das Gehirn ständig sofortige Belohnungen ohne Arbeit (Dauerberauschung), stumpfen die Dopaminrezeptoren ab. Der Neokortex verliert seine Motivationsbasis, weil er für langfristige Ziele keine neurochemische Energie mehr bekommt.
  • Wenn wir die Spannung des Wartens aushalten, schüttet das Gehirn Dopamin kontrolliert und über einen längeren Zeitraum aus (sogenanntes Ramping im Belohnungssystem). Dies schützt die Rezeptoren vor einer Desensibilisierung und sorgt dafür, dass wir überhaupt noch tiefe, nachhaltige Freude an komplexen Aufgaben (wie dem Lösen eines schwierigen Problems oder dem Erschaffen von Kunst, etc.) empfinden können. 

Zusammenfassung

Der Neokortex ist wie ein hochmoderner Hochleistungsrechner, der aber im Standby-Modus bleibt, solange der primitive "Überlebens-PC" (das Limbische System) alle Aufgaben mit schnellen Kicks erledigt. Die Spannung auszuhalten ist das Hochfahren des Neokortex. Ohne dieses bewusste Ertragen von Unbehagen degeneriert unsere Fähigkeit zu tiefem, ganzheitlichem Denken und wir werden rein reaktive Wesen. 
Indem wir die Spannung körperlich wahrnehmen und fühlen, ohne sie im Aussen auszuagieren, innerlich wegzudrücken oder mental zu analysieren, lösen wir auch das Dilemma des überbordenden Neokortex, das gibt es eben auch - und führt zum sogenannten Spiritual Bypassing - weil die „Wachheit“ mental bleibt und von der leiblichen Ganzheit abgespalten ist. 




Freitag, 9. Oktober 2026

6. Der Schmerz des Wachstums

Wir glauben oft, ein kreativer oder schöpferischer Prozess müsse sich von Anfang an leicht und fliessend anfühlen. Doch jeder, der schon einmal etwas Neues in die Welt gebracht hat, kennt die Phasen des Zweifels und der inneren Unruhe. Es ist die psychologische Reibung zwischen dem Ist-Zustand und der noch unfertigen Vision. Diese Unzufriedenheit ist kein Fehler im System, sondern der Motor des menschlichen Geistes. Sie spornt uns an, über uns hinauszuwachsen. Ohne diesen inneren Leidensdruck gäbe es keine Kunst, keine Innovation und keine echte Veränderung. Der Schmerz des Suchens ist der Vorbote des Findens.

Donnerstag, 8. Oktober 2026

5. Widerstand baut Substanz

Unser eigener Körper flüstert uns diese Wahrheit jeden Tag zu. Biologisches Wachstum basiert vollständig auf dem Prinzip von Reiz und Widerstand. Ein Muskel wächst nicht beim Ausruhen, sondern wenn er durch Gewicht beansprucht wird und kleinste Mikrorisse in den Fasern entstehen. Unsere Knochen gewinnen erst durch die mechanische Belastung des Gehens an Dichte. Sogar das Immunsystem verkraftet keine sterile Keimfreiheit – es braucht die Reibung mit Krankheitserregern, um resilient und stark zu werden. Ohne diesen permanenten somatischen Widerstand degeneriert das Leben. Vitalität ist eine Antwort auf Beanspruchung.




Mittwoch, 7. Oktober 2026

3. Der Funke im Widerspruch

In sozialen Netzwerken und Gemeinschaften suchen wir instinktiv nach Gleichgesinnten. Das ist bequem, führt aber oft zu einer Echokammer des Immergleichen. Wenn alle nicken, schläft der Geist ein. Erst im echten Austausch mit dem Anderen, dem Unbequemen, springt der Funke über. Ein produktiver Streit oder eine gegensätzliche Meinung sind kein Angriff auf den Frieden, sondern eine Einladung zur Schärfung der eigenen Gedanken. Schöpfung im Dialog braucht die Reibungsfläche des Widerspruchs. Erst wenn zwei unterschiedliche Ansichten aufeinandertreffen, entsteht das dritte, völlig neue Element.

Montag, 5. Oktober 2026

2. Die kosmische Reibung

Das Universum kennt keine Schöpfung ohne extremen Widerstand. Sterne werden nicht in sanfter Stille geboren; sie entstehen, wenn gigantische Gas- und Staubwolken unter unvorstellbarem Druck kollabieren. Es braucht die Reibung der Teilchen, die enorme Hitze und die Gravitation, um ein neues Licht am Nachthimmel zu entzünden. Wenn wir uns gegen die Widerstände des Lebens wehren, wehren wir uns gegen ein kosmisches Urprinzip. Energie und Wärme entstehen erst dort, wo Welten aufeinanderprallen. Reibung ist die physikalische Geburtsstunde von allem, was leuchtet.



Sonntag, 4. Oktober 2026

1. Reibung - Treibstoff für die Evolution

Wir alle sehnen uns nach Frieden, Harmonie und einem Leben, das glattläuft. Oft verwechseln wir dabei Gelassenheit mit der Abwesenheit von Widerstand. Reibung wird in unserem sozialen Kontext fast immer negativ bewertet – als Störung, Konflikt oder Defekt. Doch diese künstliche Reibungslosigkeit ist ein Trugschluss. Wo sich nichts reibt, bewegt sich nichts; es entsteht ein steriler Stillstand. Wenn wir das begreifen, ist Reibung kein Zeichen von Scheitern, sondern das erste, unüberhörbare Lebenszeichen von Entwicklung.

Samstag, 3. Oktober 2026

…denn wir werden mit den Bäumen zurückwachsen in die Wurzeln, mit den Strömen umkehren zum Berg, mit den Steinen weich werden im Feuer und endlich erzählen können, was wir sein wollten Peter Härtling

Freitag, 2. Oktober 2026


„Alles Vollkommene in Wort und Tat stammt aus der Tiefe ewigen Schweigens“

Sri Aurobindo
(Webseite IFIS)

Donnerstag, 1. Oktober 2026

“Du spielst eine grössere Rolle als Du denkst!“

Karen O’Brien (Webseite IFIS)