Freitag, 25. Juni 2021

Mein sinnvoller Beitrag an eine „bessere Welt“? 6


«Diese drei Wege schliessen sich nicht gegenseitig aus. Im Gegenteil, sie ergänzen und bedingen einander. Wer nur das Schöne sucht, wird Lebensumstände und damit sinnstiftende Beziehungen meiden, sobald diese beginnen, unsere Gestaltungskraft herauszufordern oder gar unsere Bereitschaft prüfen, uns dem unabänderlich Schwierigen zu stellen. Nur das Schöne suchen kann man schon, der Preis ist allerdings häufig eine nicht zu unterschätzende Sinnleere, die sich ganz unmerklich in unser Leben schleichen kann und sich irgendwann indirekt in Form von Süchten und / oder depressiven Verstimmungen bemerkbar machen kann. Umgekehrt wird jemand, der glaubt, erst dann das Leben geniessen zu können, wenn alles in der Welt bzw. innerhalb seines gewählten Sinnhorizontes im Lot ist, früher oder später einen Burn-Out erleben, weil er sich nicht das für ein kraftvolles Leben unerlässliche Auftanken und entspannende Schwelgen im Schönen gönnt. Wer sich ganz auf den dritten Weg konzentriert - zum Beispiel den Blick auf unabänderliches Leid fokussiert und darin um Sinn ringt - , läuft Gefahr, sich mit einer fatalistischen Haltung zu lähmen, vielleicht auch in einer Opferhaltung seinen Gestaltungswillen zu schwächen und seinen Sinn für das Schöne verkümmern zu lassen. Lebenskunst besteht so gesehen darin, auf eine ausgewogene Balance im Beschreiten dieser drei Wege zu einem erfüllten Leben zu achten. Das erfordert lebenslanges üben.»

(Ingo Heyn)





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